Die Atomkraft in Deutschland ist bald Geschichte. Eine ziemlich lange Geschichte, doch nur ein Wimpernschlag im Zeitkontinuum. Sie hat in Deutschland jahrzehntelang einen wesentlichen Anteil an der Erzeugung von Elektroenergie gehabt. Neben den Kohlekraftwerken sind die Atomkraftwerke der Hauptstützen bei der Erzeugung der Grundlast. Nun wird diese wesentliche Aufgabe der Atomkraftwerke bald wegfallen, die Grundlast muss also bald irgendwie anders erzeugt werden.
Zunächst wird diese Aufgabe durch weitere Kohlekraftwerke erfüllt werden müssen. Sie sind zuverlässig, arm an Gefahren und mittlerweile auch energieeffizient. Aber eben Dreckschleudern und CO2 Erzeuger. Also müssen mittelfristig andere Energieerzeugungsmethoden die Grundlast sicherstellen. Die regenerativen Energien sind in Deutschland etwa seit 20 Jahren auf der Tagesordnung. Von belächelten Anfangsversuchen bis zur etablierten Industrie war es ein langer Weg. Mittlerweile haben sie sich in Deutschland einen Markt erobert. Sie liefern etwa 20 % der benötigten Elektroenergie, sind also immer noch ein Nischenprodukt. Regenerative Energien in Deutschland sind im Wesentlichen die Windkraft, die Sonnenenergie und die Biomasse.
Frischer Wind
Durch den nun festgelegten Atomausstieg werden alle regenerativen Energien gepusht. Ein spezielles Programm soll die Windkraft besonders fördern. Nun ist die Windkraft, wie alle regenerativen Energien, an geographische Besonderheiten gebunden. Man wird die Windkraftanlagen an Orten mit besonders hohem Windaufkommen platzieren. Je flacher die Geographie, desto stärker der Wind, dass es eine einfache Regel. Wind weht auf dem Meer stärker als auf dem Land. Also muss die Erzeugung der Windenergie auch dort passieren. Der Fokus der Förderung wird künftig auf Windenergieanlagen auf dem Meer liegen. Wer über die deutschen Lande fährt, wird aller Orten auf die sich drehenden Zahnstocher der Windräder stoßen. Sie verschandeln die Landschaft an allen dafür geeigneten Stellen. Aber sie sind nun mal notwendig. Die Atomkraftwerke sind ja schließlich auch keine Objekte zur Verschönerung der Landschaft. Diese Windparks, auch auf dem Land, werden an Volumen und Anzahl deutlich steigen müssen, um die Windkraft als Grundpfeiler der Erzeugung der Elektroenergie zu etablieren. Da Wind ein unsteter Geselle ist, ist die räumliche Verteilung der Windanlagen ein wesentlicher Faktor. Wenn an einem Ort die Anlagen produzieren können, stehen sie woanders still.
Der Wind wird durch Leitungen geschickt
Diese räumlich notwendige Zersplitterung der Anlagen für die Windkraft erfordert die Verkabelung der Anlagen untereinander und mit dem landesweiten Stromverbundnetz. Das ist die Crux der Windkraft. Damit man sie überall nutzen kann, muss ihre erzeugte Energie auch überallhin gelangen können. Und das geht derzeit nur über Stromleitungen, neue Stromleitungen. Man wird im Rahmen der Umstellung auf regenerative Energien nicht umhin können, Hochspannungsleitungen über das Land zu ziehen. Denn die bisher produzierenden Atomkraftwerke wurden stets in der Nähe der großen Verbraucher gebaut. Nunmehr sind der Erzeugungsort und der Verbrauchsort weit voneinander entfernt. Sicherlich wird die eine oder andere neue Hochspannungsleitung notwendig werden. Jedoch bei Weitem nicht so viel, wie die Politik in Deutschland derzeit an die Wand malt. Durch intelligente Steuerung der Stromnetze, der Verbraucher und der Windanlagen wird es künftig möglich sein, Erzeugung und Verbrauch von Strom besser aufeinander abzustimmen, die Windkraft vor Ort besser zu nutzen.
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